Archiv für Oktober 2010

>>> gentrifidingsbums & co

Ende Oktober/ Anfang November finden gleich zwei Veranstaltungsreihen zu drängenden stadt- politischen Konflikten statt. „Schatz, wir müssen reden“, heisst es z.B. in Düsseldorf und stellt u.a. Christoph Twickel sein Buch „Gentrifidingsbums – Oder eine Stadt für alle“ in Bochum (01.11) und Düsseldorf (02.11) vor. »Eine unübersichtliche Multitude, die neue Strategien erprobt und neue politische Spielräume jenseits von kulissenhafter Anwohnerbeteiligung und linksradikalem Puritanismus eröffnet: Bewegungen für das Recht auf Stadt müssen Tools erfinden, um Schneisen in die unternehmerische Stadt zu schlagen. Auch dieses Buch will ein solches Werkzeug sein« (Christoph Twickel) (mehr…)

>>> UZDO & anderswo

Es war Freitag der 15te, mitten im Oktober, mitten in Kamen im JKC als die Solidaritätsveranstaltung zur Unterstützung der Initiative UZDO (und anderswo) stattfand. Es gab drei Hip-Hop-Acts, zwei Punkrock- Bands, vegane Vokü, Infomaterial, einen improvisierten Drei-Personen-Redebeitrag und 80 Besucher/innen. Wenn dann noch die Trägerin des JKCs, die Stadt Kamen, ein Problem damit hat, dass eine politische Veranstaltung Platz in Ihren Räumen findet, ist die Bühne für das UZDO bereitet und für Zündstoff gesorgt.


http://www.flickr.com/photos/uzdortmund/

Weitere Argumente für selbstverwaltete Strukturen bekamen wir dann auch gleich frei Haus geliefert. Da waren zum einen die Besucher/innen, die sich nicht einmal den 4€ Soli_Eintritt leisten konnten (diese sind natürlich umsonst reingekommen) und zum Anderen die Auflage der Stadt, die happigen Getränkepreise weiterzugeben. Eine freiwillige Thekenmitarbeiterin berichtete vom Einnahmezwang des JKC, um die Stadt Kamen bei der Miete für das Gebäude zu entlasten.

Unabhängig von gar nicht mal so unwidrigen Umständen thematisierten die Redebeiträge dann die Themen “Recht auf Stadt”, “Stadt ohne Geld” und “Unabhängiges Zentrum”. Betont wurde, dass Kultur – künstlerische, soziale, politische Aktivitäten – nicht zwingend Geld einbringen, aber zwingend notwendig sind für ein menschliches Miteinander in einer Gesellschaft/ Stadt. Da sich diese Einsicht nicht in die Chefetagen herumgesprochen hat, wurde sie mit einer Aufforderung an die Gäste verbunden, sich selbst initiativ zusammenzuschließen und gemeinsam für selbstverwaltete Strukturen in Dortmund // UZDO und anderswo einzusetzen. Wir wollen mitbestimmen wie, wo und was in einer Stadt er/ge/be/verlebt wird. Gerade mit Blick auf “Dortmunder Verhältnisse” und rechte Freiräume, müssen Räume für eine konterkulturelle Sub/kultur/Politszene mehr an Bedeutung gewinnen.

Recht auf Stadt.
 Zeche prellen.

UZDO.

>>> dokumentationen

Leicht verspätet kommt hier die Information zur Veröffentlichung (15.09) der UZDO Dokumentation im Rahmen der „borderline serie 89″ des Medienprojekts Wuppertal. Hier heisst es: „In dem beschaulichen Wuppertaler Vorort Dortmund hat sich eine Gruppe kulturell und politisch aktiver Menschen zusammengefunden, die am Freitag den 13. August ein leerstehendes Gebäude kulturell nutzbar machten“, so beschreibt das Medienprojekt die Dokumentation der Ereignisse. Das Medienprojekt Wuppertal konzipiert und realisiert seit 1992 Modellprojekte aktiver Jugendvideoarbeit. Jedes Jahr werden ca. 100 Videos von 1000 aktiven TeilnehmerInnen produziert und gewannen in den letzten Jahren Preisträgerschaften bei allen wesentlichen regionalen, bundesweiten und europäischen Jugendvideofestivals. (mehr…)

>>> soli-party @ JKC Kamen

Nach den turbulenten Ereignissen vom 06.10. entspannen wir uns am Freitag, den 15.10., ab 19 Uhr im JKC Kamen. Hier steigt eine dicke Soli-Fete mit local support – punk rock // rap // schokolade für die ohren – aus Kamen und Umgebung. Die Stadt Dortmund und ihre FreundInnen haben gezeigt, dass für uns, die Mauerblümchen, die Marginalisierten dieser Stadt, dringender und konkreter Handlungsbedarf besteht. Sie werden uns nicht helfen, also helfen wir uns selbst! Das Wochenende ist eine weitere gute Gelegenheit die Initiative kennenzulernen, zu unterstützen und zu schützen. Die neusten Ereignisse haben gezeigt, dass viel getan werden muss:
Zeche prellen. Recht auf Stadt.
Wir sehen uns in Kamen.
UZDO.

>>> UZDO info-tour

Nach der Kritikdusche auf den ruhrbaronen dürfen wir uns also nicht selber spielen, sondern müssen immer zwingend und ernsthaft das eigentliche Dort- munder Stadt-POLITIK-Theater be- dienen. Das weisen wir im Namen der künstlerischen Freiheit sowie unseres politischen Anspruchs zurück, wollen aber gerne über zeitgemäße Protest- und Widerstandsformen diskutieren. Denn das war erst der Anfang in der „Stadt ohne Geld“ (am fehlenden Geld werden wir nicht scheitern).

Nach unserem Info-stand am Freitag @ Hbf Dortmund geht die UZDO Info-tour weiter mit einer Gastrolle bei der Veranstaltung am Mittwoch, den 13.10 Die Kulturhaupstadt geht – Wir bleiben im Bochumer Bahnhof Langendreer – zusammen mit Freiraum2010 Essen – und einer Soli Party am Freitag, den 15.10 in Kamen. Wir laden alle Interessierten zu einem Austausch- und Vernetzungstreffen ein: Am 13. Oktober 2010, um 19.30 Uhr, im Raum 6, im Kulturzentrum Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, 44894 Bochum mehr lesen

>>> economy death match

Mittwoch, den 06.10.2010 haben wir die Bühne des Theaters Dortmund gestürmt, um eine Brücke zu schlagen von der Inszenierung des Schauspielhauses hin zum Theater, das sich unser Leben nennt. Im Vorfeld wurde viel um die Echtheit des Ifuk spekuliert (2010lab), aber für uns ist klar, dass es das Ifuk gibt. Es gibt sogar nicht nur ein Ifuk, sondern viele – viel zu viele. Die Stadt ohne Geld ist umso realer. Das Schauspiel führte gegen 21 Uhr nach “Recht auf Stadt – ohne Geld” Sprechchören zur Eroberung der Bühne. Hier wurden Banner angebracht und das Bühnenbild durch einen Schriftzug ergänzt: „Für eine andere Stadt“, stand hier nun. In der 5-minütigen Rede ging es um die Kritik an der Logik von Instituten wie das Ifuk, die das Gemeinwesen der Stadt unnötig weiter herunterwirtschaften und die Vision, die kommunale Wirtschaft einmal tatsächlich ohne Geld zu denken (mehr…)

>>> Urbane Krisenintervention?

An das IfuK im besonderen und im allgemeinen an die VertreterInnen des kreativwirtschaftlichen Gedankenguts:

Mit zunehmender Besorgnis hat die Initiative für das Unabhängige Zentrum Dortmund in den letzten Wochen ihre Arbeit beobachtet. Nicht dass uns ihre Gedankengänge neu wären, aber durch ihre anstehende Zusammenarbeit mit dem Theater Dortmund sehen wir uns gefordert, auf ihre konkreten Ideen zu antworten und sie stellvertretend für das neokonservativ-liberale Leitbild zu nehmen.

Stadt ohne Geld – Projektclip from Stadt ohne Geld on Vimeo.

Direkter Anlass dieses Briefes bietet uns also der Artikel „Stadt ohne Geld – Neue Veranstaltungsreihe im Schauspiel Dortmund“ der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung. Die immer weiter reichende Reduzierung von Kunst und Kultur auf ihre wirtschaftliche Nützlichkeit ist eine Problematik, mit der wir uns in unserer Arbeit intensiv auseinandersetzen. Dazu haben wir allerdings, ganz im Gegensatz zu ihren Ideen, ein Konzept entwickelt, das sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, ohne diese als Ware zu denken. Die Kultur hat der Wirtschaft nichts zurückzugeben, so wie es das ifuk beschreibt – im Gegenteil: Der Waren- und Konkurrenzcharakter der Wirtschaft und die damit verbundene Entfremdung und Entsolidarisierung der Menschen ist ein Zwang an sich, der nur durch seine Machtstellung und Aggressivität weitere Forderungen stellen kann. Mit unserer Initiative wehren wir uns entschieden gegen ihre Vorstellungen und Aktivitäten einer in allen Bereichen durchgewirtschafteten Zwangsgemeinschaft (mehr…)

>>>“Sag’s mit Kreide!”

Dieser Satz war wohl die treffendste Umschreibung der heutigen Aktion. Es ist Freitag, es ist wunderschönes Wetter und unser Bedürfnis nach kreativem Output können wir nur outdoor zusammen ausleben. Frei nach dem Motto: Ohne Dach kein Haus, ohne Haus kein Atelier, ohne Atelier keine Leinwände und ohne Leinwände? Keine Kunst? Wohl kaum! Dann wird halt die Innenstadt zur Leinwand und Straßenkreide ersetzt die Ölfarbe. Also, ging’s mal wieder zu den Katharinen-Treppen wo sogleich fleißig die Stadt verschönert wurde. Auch hier waren die Reaktionen der Passanten zum Teil köstlich. Vom genervten “Toll, wegen euch muss ich jetzt 2 Meter nach links gehen” über “Das ist ja hübsch. Warum macht Ihr das?” bis hin zu aktiver Teilhabe am kreativen Schaffensprozess war alles dabei (mehr…)